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2018-06-21



Die Etappe 14 ist die zurzeit noch letzte Etappe des knapp 200 km langen Natursteig Sieg, mit ihren 19,3 km aber auch eine der längsten. Aus diesem Grund habe ich die kurze 13. Etappe an das Ende meiner 5 Wandertage gesetzt, um danach die Rückreise nach Leverkusen anzutreten und die 14. Etappe vorgezogen.

DSC08048Im Gegensatz zum gestrigen sehr heißen Tag, war es heute wieder sehr bewölkt und um gefühlt 10 Grad abgekühlt.
Heute brauchte ich keine Anfahrt mit der Bahn, um an meinen Startpunkt zu gelangen. Meine Ferienwohnungan der Hauptstraße in Kirchen lag schließlich auf dem Zuweg zum Hauptweg. Hier ein Blick die steile Hauptstraße hinunter, die zum Bahnhof führt. Erstmals ging es heute also bergauf Richtung Wald, wo ich bald den Natursteig erreichte.

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Erst über einen Forstweg, später auch schmalere Pfade ging es weiter in die Höhe, von wo ich einen letzten Blick auf Kirchen (Sieg) unter regenschweren Wolken warf.

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Oberhalb des Dörfchens Katzenbach führte der Weg aus dem Wald heraus und weiter ging es auf einem schmalen Wiesenpfad am Waldrand weiter.

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Der Ort wurde durchquert. Im Tal ging es über eine Straße und auf der anderen Seite waldreich weiter. Auch heute liefen Natur- und Druidensteig teilweise wieder parallel.

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Inzwischen hatte es leider angefangen leicht zu regnen. Ein liebevoll gestaltetes Hinweisschild lockte mich trotz Regen auf Abwege. Der Panoramablick war wegen des Wetters nicht besonders beeindruckend, die ausgefallene Sitzgruppe dagegen schon.

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Der Weg führte jetzt abwärts und ich konnte schon in der Ferne im Dunst die Freusburg erkennen, eines der heutigen Zwischenziele. Der Weg war auch weiterhin liebevoll gestaltet. Offensichtlich ist hier ein Heimatverein besonders rege.

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Die Freusburg rückte immer näher. Glücklicherweise hatte es inzwischen aufgehört zu regnen.

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Noch war es aber nicht soweit. Ich gelangte hinunter zur Freusburger Mühle und über das Betriebsgelände zur Siegbrücke. Die ehemalige Getreidemühle und wird heute als Laufkraftwerk für die Stromgewinnung genutzt.

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Ein Stück ging es jetzt an der Straße entlang. Der Weiler Freusburger Mühle war das nächste Ziel. Unterwegs konnte ich schon einmal Maß nehmen für den Weg hinauf zur Burg.

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Hinter Mülltonnen versteckt entdeckte ich ein Zeugnis der Bergbaugeschichte der Region: das Mundloch eines 1250 m langen Stollens.

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Der Weg durch den Ort führte steil und immer steiler in die Höhe.

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Das nenne ich mal Loyalität, nach dem frühen Ausscheiden Deutschlands bei der Fußball-WM noch derart riesig Flagge zu zeigen.

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Beim Verschnaufen ein Blick nach unten auf das Mühlengebäude im Tal.

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Jetzt war ich der Burg schon nahe. Sogar ein Feuerwehrhaus gibt es hier oben.

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Der Aufstieg hatte sich gelohnt. Nach einer Verschnaufpause ging es an die nähere Besichtigung, zumindest des Innenhofes. Die Freusburg ist heute Jugendherberge und war gut besucht von Schulklassen. Überall wuselte es von Kindern herum. Sie gehört übrigens zu den meistbesuchten Jugendherbergen Deutschlands.

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Nach Umherstreifen und Mittagspause ging es weiter. Von der Burg ging es hinein in den Giebelwald. Es ist ein herrlicher Wald. Lange Zeit führte der Weg bergauf.

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Es war alles dabei, es gab schmale Wege, breite Wege und auch Pfade. Aber nach zwei Stunden Wald ohne Unterbrechung durch Fernsichten oder andere Ablenkung war ich froh, als ich an dieses Schild gelangte.

Zum einen erfuhr ich hier ermals von einem neuen Erlebnisweg Erzquellweg (10 km rote Markierung), zum anderen kündigte sich Abwechslung an.



Zweifarbig ging es jetzt weiter zum nahen Erzquell-Stollen. Das Schild am Stolleneingang lieferte sehr interessante Informationen unter dem Titel, "vom Erz zum Bier". Ein mehrere hundert Meter langer Stollen wurde mangels Ergiebigkeit aufgegeben. Das durch die Gesteinsritzen dringende Quellwasser bot die besten Voraussetzungen für das Brauen von Bier. Heute wird das aufgefangene Wasser über eine kilometerlange Leitung ins Tal zur Erzquell-Brauerei in Mudersbach geleitet.

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Eine halbe Stunde ging es weiter durch den Giebelwald.

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Als er sich endlich öffnete hatte ich das Gefühl, nach Stunden wieder in die Zivilisation zum kommen. Lebewesen! Ein schöner Anblick ländlicher Idylle unter endlich strahlend blauem Himmel.

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Aber der Weg machte gleich wieder eine Kehre zurück in den Wald.

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Trotzdem fand ich es hier richtig spannend, weil es im Gegensatz zu den vielen Waldkilometern zuvor viele Informationen gab. Da schaut man sich doch gleich ganz anders um.
Alte Hohlwege erinnern hier an eine Zeit, in welcher Fuhrwerke von Köhlern, Forst- und Bergleuten die Wege formten. Sie mündeten einst in die alten Handels- und Fernwege auf den Höhenzügen, wo Roheisen, Erz und Holzkohle zu den Eisenöfen transportiert wurden.

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DSC08185Der Holzbedarf für die Schmelzöfen und Kohlenmeiler war enorm und nur durch Niederwaldwirtschaft zu decken. Der Vorteil: nach dem Schlagen von Eichen und Birken schlugen die Bäume erneut aus und konnten ein paar Jahre später erneut geschlagen werden, ohne das Neupflanzungen nötig waren. Überall waren die Spuren noch zu erkennen.
Nachdem ich mich von diesen Zeitzeugen losgerissen hatte, gelangte ich schnell zur Mariengrotte. Hier können auch Waldgottesdienste abgehalten werden.

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Ein letzter Blick von der Höhe über das Siegtal und dann ging es unaufhaltsam abwärts am Friedhof vorbei Richtung Mudersbach.

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Die Sieg und der Bahnhof waren bald erreicht. Nicht zum ersten Mal war ich der einzige Fahrgast auf dem Bahnsteig. Aber auch unterwegs hatte ich an den vergangenen Wandertagen abseits der Ortschaften keine Menschenseele getroffen.

Die allerletzte Übersichtskarte des Natursteigs informiert über die baldige Fortsetzung bis zur Siegquelle im südlichen Rothaargebirge bei Netphen.
Ich fuhr jetzt erstmal in die entgegengesetzte Richtung nach Kirchen (Sieg), von wo ich morgen in die kurze 13. Etappe einsteigen wollte.

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Fazit dieser Etappe: abwechslungsreiche, lange Strecke mit interessanten Stationen, wie Freusburger Mühle, mein Highlight die Freusburg (trotz schweißtreibendem Aufstieg), Erzquellstollen, Erzquellweg mit Erklärungen und die Mariengrotte. Die lange Passage durch den Giebelwald empfand ich persönlich allerdings etwas zu lang (weilig).

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Nachtrag vom Juni 2018

Es ist vollbracht, alle momentan noch 14 Etappen des Natursteig Sieg habe ich seit September 2016 zurückgelegt. Einschließlich der Zuwege von und zu den Bahnhöfen waren das immerhin 240 km. Jetzt ist die Gelegenheit, ein kurzes Resümee zu ziehen:

Meine Berichte dienen in erster Linie dazu, meine Erinnerungen an das Erlebte wachzuhalten, vor allem auch durch die Fotos. Die geschilderten Eindrücke sind natürlich sehr subjektiv. Vieles hängt auch vom Wetter ab und der Tagesform. Von keiner Etappe kann ich sagen, dass sie mir gar nicht gefallen hat. Es gab immer Highlights, bei dem einen Weg weniger, beim anderen dafür mehr. Manche haben mich auch enttäuscht. Von einigen war ich aber von Anfang bis Ende total begeistert. Zu den Etappen, die ich als einzelne Tagestour auf jeden Fall noch einmal wiederholen möchte gehören z. B. die Etappen 6, 8 und 11. 

Ein ganz großer Vorteil ist die Erreichbarkeit jeder Etappe mit der Bahn. Ich habe ausschließlich diese Möglichkeit genutzt und kann sie sehr empfehlen. Der Weg ist in beiden Richtungen gut markiert, auch wenn die Zeichen stellenweise verblasst oder zugewachsen sind. Die Website des Natursteig Sieg informiert über alles Wissenswerte. Es gibt eine Touren-App, kostenloses Kartenmaterial und Pocketguides. Die Wegbeschreibungen sind dort natürlich wesentlich neutraler gehalten als bei mir;-). Zu jeder Etappe kann man Angaben zu Übernachtungsmöglichkeiten bei sogenannten Qualitätsgastgebern erhalten. Ich habe allerdings  durch Vermittlung der Touristcenter ausschließlich in privaten Ferienwohnungen sehr gut und sehr preiswert übernachtet.
 

Vielleicht kann ich mit meinen Berichten den ein oder anderen überzeugen, es mit dem Natursteig zu versuchen. Es würde mich freuen.

   
© Familie Sudowe