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2018-06-19


Tag 2 meines erneuten Ausflugs an die Sieg. Nachdem ich gestern den Pulvermühlenweg bei Dattenfeld unter meine Wanderstiefel genommen hatte, bin ich weiter nach Kirchen gefahren, um von dort aus die vier letzten Etappen des Natursteig Sieg zu erwandern. Hier hatte ich mir für vier Nächte eine private, einfache Ferienwohnung gemietet. Die Wohnung übertraf alle meine Erwartungen, denn sie war alles andere als einfach, lag allerdings auch oben auf dem Berg. Ausgeruht und nach einem opulenten Frühstück machte ich mich mit einem erheblich leichteren Rucksack auf den Weg bergab zum nahen Bahnhof.

Mit der Bahn fuhr ich nach Wissen, wo ich im September letzten Jahres die Schleife um Wissen, mit 25 km die längste Etappe, gelaufen bin. Heute würde es bei der Etappe 11 dagegen mit 15,4 km erheblich gemütlicher zugehen und ich hatte vor, jeden Kilometer zu genießen.

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Wissen ist ein staatlich anerkannter Luftkurort und liegt im Landkreis Altenkirchen (Westerwald) in Rheinland-Pfalz. Den Zuweg zum Natursteig kannte ich ja bereits. Bald hatte ich die Sieg überquert und nahm Kurs auf die Siegpromenade.

Leider war auch heute kein blauer Himmel zu erwarten, schade um die Fotos. Es sollte aber immerhin warm und trocken bleiben.


Auf meinen ersten Haltepunkt hatte ich mich schon gefreut. Das Gartencafé "Der Garten" ist ein Geheimtipp, allerdings nur am Wochenende geöffnet. Heute stand ich vor dem verschlossenen Tor.

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Ein ganz lieber Mitarbeiter sah meine Enttäuschung und ließ mich hinein in diese Oase im Grünen. Ich durfte nach Herzenslust durch die verwunschene Parkanlage lustwandeln und fotografieren, was ich natürlich ausgiebig getan habe. Hier nur eine ganz kleine Auswahl.

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Dann ging es weiter auf der Promenade, auf der man aber nicht nur promenieren, sondern in den naturnahen Auen offensichtlich auch spielen, grillen und chillen kann. Die Siegbrücke liegt schon auf dem Hauptwanderweg.

An ihrem Geländer fand ich eine Information, dass hier früher auf der kleinen Sieginsel namens "Green" sogar Schützenfeste stattfanden. Heute ist sie Rückzugsgebiet für Wasservögel.

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Ein Blick zurück von der Brücke auf die Sieg, von der ich mich jetzt für viele Kilometer trennen musste.

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Oberhalb der kleinen Insel liegt Schloss Schönstein. Es ist in Privatbesitz, aber wenigstens kann man sich hier im Schlosshof umsehen.

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Aber auch außerhalb des Schlossgeländes gab es viel zu sehen. Der Wissener Stadtteil Schönstein mit seinen Fachwerkhäusern und die riesige Linde am Elbbach haben mich in ihren Bann gezogen.

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Dieses unscheinbare Schild hat mich auf Abwege gebracht. Was sind schon 500 Meter, wenn es eine alte Mühle zu besichtigen gibt. Also nichts wie hin.

Das Wegzeichen auf dem Schild ist das Logo des Botanischen Weges, der heute zum größten Teil mit dem Natursteig parallel verlaufen sollte. Auf seinen dicht gesäten Hinweistafeln habe ich viel über botanische, geologische und kulturhistorische Besonderheiten der Region erfahren. Das sollte Beispiel machen.


Also jetzt ein Abstecher zur Alten Mühle. Ein wunderschöner Pfad führte am Obergraben entlang.

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Kleine Stege führten Neugierige wie mich über den Graben. In den Fledermausstollen wollte ich dann doch lieber nicht einsteigen. Ich bin ja Tierfreund und wollte die hängenden Gesellen nicht aufwecken;-)

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Die Alte Mühle sah gar nicht alt und verfallen aus, wie ich vermutet hatte. Kein Wunder, sie war schließlich erst 2012 renoviert worden.
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Zurück auf dem Natursteig gelangte ich kurze Zeit später ins tief eingeschnittene Kerbtal des Firzelbaches. Die schmalen Pfade, die urige, "unaufgeräumte" Landschaft waren ganz nach meinem Geschmack.

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Nach dem verwinkelten Tal ging es über weiche Wiesenwege stetig, aber sehr abwechslungsreich bergan. 

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Diese Aussicht und ein schönes Pausenplätzchen erwarteten mich auf der Höhe.
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Über weiche Wiesenwege ging es wieder hinein in den Wald bis zum nächsten Halt mit Informationen. Ein Ausblick in die ehemalige Grube Rasselskaute sollte einen Eindruck über die Bergbautradition der Region vermitteln. Allerdings war der Abgrund hier so steil und glatt, dass ich lieber nicht in die Grube schauen wollte, um nicht in derselben zu landen.

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Sehr abwechslungsreich ging es auf Natursteig und Botanischem Weg weiter. So abwechslungsreich, dass man es nicht beschreiben kann, deshalb lass ich lieber meine Bilder sprechen. Es war einfach alles dabei, was man sich für einen Wanderweg nur wünschen kann. Sogar einige gesicherte Steilpassagen.



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Gegen Mittag erreichte ich einen idyllisch gelegenen Campingplatz. Es hatte zwischenzeitlich angefangen leicht zu nieseln und ich hatte die Hoffnung, hier irgendwo im Trocknen meine Mittagspause einlegen zu können. Doch wie es mir immer wieder passiert, das Restaurant "Lichtung" hatte Ruhetag. Die junge Wirtin war mit Außenarbeiten beschäftigt, von wegen Ruhetag. Sie ließ es sich aber nicht nehmen, mir einen Kaffee zu kochen. Mein mitgebrachtes Brötchen durfte ich auch geschützt unter dem Vordach verzehren. Hier ließ ich meine vielen Eindrücke des Tages Revue passieren. Kaum zu glauben, dass es erst Mittag war.

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Frisch gestärkt ging es jetzt abwärts durch den Wald ins Osenbacher Seifental. Der Sieg kam ich jetzt sehr nahe, aber nur um mich auf einem schmalen Uferpfad steil bergauf Richtung Aussichtsfelsen "Steckensteiner Kopf" wieder von ihr zu entfernen.

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Beim Blick zurück Richtung Mittelhof kurz verschnaufen und weiter ging´s hinauf.

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Vom Aussichtsfelsen gab es eine wunderschöne Aussicht auf die Siegschleife. Die Ruhebank hätte nicht günstiger stehen können. 





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Aussichtsreich ging es auf einem Höhenweg weiter, bis ich unter mir die Sieg und meinen heutigen Zielort Scheuerfeld erkennen konnte. Auch wenn ich diesen Ort noch nicht kenne, bin ich mir sicher, dass heute der Weg das Ziel war.




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Der Abzweig des Zuweges nach Scheuerfeld war nicht zu übersehen. Für heute hieß es Abschied nehmen vom Hauptweg, aber nicht ohne schon einmal hinauf zu sehen, wo es morgen weitergeht. Ich freu mich drauf.

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Aber heute erst mal Richtung Bahnhof Scheuerfeld. Bahngleise hatte ich schnell erreicht, aber das waren mit Sicherheit nicht die richtigen. Der Zuweg führte mich am Ortsrand von Scheuerfeld entlang. Markierung und Weg waren zugewachsen, aber die liebevoll ausgestellten, ausrangierten Wanderschuhe waren ein richtiger Blickfang.

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In weitem Bogen ging es um ein Gewerbegebiet herum. Auf dem Hochwasserdamm zwischen Sieg und Zäunen gelangte ich bald zum Bahnhof, wo ich mich in den Zug nach Kirchen setzte.

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Was war das für ein toller Tag. Mein Garmin zeigte 19 km an, aber schließlich habe ich ja auch rechts und links des Weges immer wieder ein paar Schlenker eingelegt. An Abwechslung ist dieser Weg nicht zu toppen. Er gehört meiner Ansicht nach auf jeden Fall zu den schönsten Etappen des Natursteigs, wenn es nicht sogar die schönste war. Aber das werde ich erst entscheiden, wenn ich auch die letzte gegangen bin.


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Nachtrag vom Juni 2018

Es ist vollbracht, alle momentan noch 14 Etappen des Natursteig Sieg habe ich seit September 2016 zurückgelegt. Einschließlich der Zuwege von und zu den Bahnhöfen waren das immerhin 240 km. Mein persönliches Resümee siehe Etappe 14.
   
© Familie Sudowe