2018-07-22
Endlich war es wieder einmal soweit! Zwei Wandertage mit Christa in Ostbelgien waren geplant. Diesmal haben wir uns zwei Genusstouren aus der Broschüre der Tourismusagentur Ostbelgien vorgenommen. Lt. Agentur sollen hierin die 25 schönsten Wanderungen Ostbelgiens enthalten sein. Für heute hatten wir uns die 17 km lange Nr. 17 vorgenommen, die von Malmedy ausgehend Ein- und Ausblicke in die ausgedehnte Landschaft geben soll, eben soweit das Auge reicht.

Wir ließen uns vom gelben Kreuz durch den blumengeschmückten Ort lotsen, der am frühen Sonntag Vormittag schon voller Menschen war, die vor den Gaststätten und Eisdielen saßen. Am Rathaus vorbei führte unser Zuweg unter der Vennbahn hindurch eine lange, steile Straße den Berg hinauf. Von wegen eben.

Das war kein schöner Einstieg in die Tour. Wir wussten, dass wir am Ende der Wanderung diese Straße auch wieder hinunter mussten, aber dann immerhin bergab.
Nachdem wir die letzten Häuser unter uns gelassen hatten, genossen wir den schönen Blick auf Malmedy mit der Kathedrale.
Weiter ging es die Straße hinauf, bis uns die Wegmarkierung plötzlich auf einen Trampelpfad weg von der Straße führte. Neben einer Wiese ging es weiter bergauf. Auf diesem Wiesenpfad ließ Christa gleich viel lockerer ihre Stöcke schwingen.
Dann kam endlich die Stelle, an der der Zuweg endete und die eigentliche Runde begann. Am Wegweiser nach Bellevaux bogen wir nach rechts ab und starteten gegen den Uhrzeigersinn in die Runde. An diesem fliegengeplagten Esel vorbei ging es auf Asphalt- und Schotterpisten weiter in Richtung Ligneuville.
Von hier oben konnte man wirklich sehen, soweit das Auge reicht.
Wir waren über eine Stunde unterwegs, als wir endlich in ein Waldstück gelangten, wo es weder Asphalt noch Schotter gab. Juchhe! Ein 800 m langer Waldpfad war eine willkommene Abwechslung.
Wieder in der Sonne, kamen wir an einer Herde junger Rinder vorbei, die durch ein Geräusch in der Tränke aufgeschreckt wurden.
Beim Nachschauen stellten wir fest, dass ein (junger?) Greifvogel in der Tränke im Wasser saß. Beim Versuch, wieder rauszukommen, flatterte er gegen die Blechwände und kam mit seinem nassen Gefieder nicht mehr hoch. Jetzt kamen auch die neugierigen Vierbeiner näher und schauten sich das Schauspiel an. Was tun?
Einfach weiterzugehen kam natürlich nicht in Frage. Also blieb mir nichts anderes übrig, als unter dem dreifachen Stacheldraht durchzurobben. Der Rucksack wurde also abgelegt, Christa die Kamera in die Hand gedrückt mit der Bitte, die Rettungsaktion fotografisch festzuhalten und los ging es. Allerdings war Christa zu aufgeregt, um dieser Bitte mit einigen dokumentarischen Fotos nachzukommen. So wurde weder mein attackierter, blutiger Finger, noch der patschnasse Vogel im Bild festgehalten. Der floh, ohne danke zu sagen, ins nächste Gebüsch, wo er wohl auf das Trocknen seines Federkleides wartete. Die weißbraunen Jugendlichen konnten endlich wieder ungestört trinken und wir unseren Weg fortsetzen.
Die Aussichten und die unendliche Weite um uns herum waren wirklich gigantisch.
Wir näherten uns dem südlichsten Zipfel der Runde und dem Weiler Pont an der Amel. Abwärts ging es jetzt ins Ameltal hinab, von dem wir uns Abwechslung in der Wegbeschaffenheit erhofften. Wir hatten einen Blick auf die Europastaße 42, die über insgesamt 680 km von Westen nach Osten durch Frankreich, Belgien und Deutschland verläuft.
Nach der kleinen Ortschaft gelangten wir in ein kleines Wäldchen. Vom Schotterweg aus sahen wir unter uns die Amel fließen. Es war also nichts mit lauschigen ufernahen Wiesenwegen.
Dort gibt es Einkehrmöglichkeiten. Wir hatten uns jedoch kurz vorher auf einer schattigen Bank aus unserem Rucksack selbst versorgt. Eine zutrauliche schwarze Katze leistete uns dabei Gesellschaft und hoffte erfolgreich auf ein Stück Wurst.
Wir trennten uns vom Ameltal und stiegen wieder in die Höhe, von wo wir abermals herrliche Fernblicke genießen konnten.
Das war aber auch wirklich der einzige Genuss - für unsere Füße war es Verdruss.
Zwischendurch keimte immer wieder Hoffnung auf weichere Wege auf, wie z. B. bei dieser wunderschönen, aber kurzen Passage.
Aber wir wurden für den Rest der Wanderung Schotter und Asphalt nicht mehr los. Die Fernsichten allerdings blieben uns bis zum Schluss erhalten.
Hier kann man in der Ferne den Steinbruch erkennen, auf den wir am nächsten Tag bei der Genusstour 16 treffen würden. Aber das wussten wir heute noch nicht.
Wir näherten uns der Ortschaft Hédomont und allmählich dem Ende unserer Runde. Jetzt ging es auf der Straße durch den Ort und bald sahen wir unser Ziel unter uns liegen.
Auf dem bekannten Zuweg ging es jetzt steil hinunter. Nach den vielen Asphaltkilometern fiel uns das natürlich erheblich schwerer als der Aufstieg. Aber dann hatte Malmedy uns wieder.
Fazit dieser Wanderung:
Da waren wir uns beide einig, das war keine Genusstour. Es bleibt uns unbegreiflich, wie man eine Wanderung, die ausschließlich über Asphalt und Schotterwege verläuft, als Genusstour bezeichnen kann. Ein Wanderer nimmt doch den Weg mit allen Sinnen auf und guckt nicht nur in die Ferne. Zu einer Genusstour gehören naturbelassene Wege und Pfade, wie wir es am nächsten Tag bei der Genusstour 16 antrafen. Der schreckliche, doppelt zu laufende Zuweg steil die Straße hinauf ist ein weiterer Kritikpunkt. Die weite Landschaft war dagegen tatsächlich ein Augenschmaus, der aber durch die Nachteile des Weges stark eingeschränkt wurde.