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2018-04-06


Das hatten Christa und ich uns nicht erträumt. Nachdem wir neun Monate lang gar nicht mehr zusammen gewandert waren, hat es jetzt innerhalb von 14 Tagen geklappt. Das angekündigte tolle Wetter hat mich zum flotten Gegenbesuch nach Ostbelgien getrieben. Wieder waren zwei gemeinsame Wandertage geplant. Für den heutigen Freitag hat sich Christa die Genusstour "Ein Wasserfall und ein Canyon" gewünscht. Zu diesem höchstgelegenen Wasserfall von Belgien ist sie vor Jahren schon einmal mit ihrem Mann Roger gewandert. Diesen Weg wollte sie mir unbedingt zeigen. Da er aber nur 8,4 km lang ist, hatten wir am Vorabend solange gestöbert, bis wir diesen sehr empfehlenswerten Track in Form einer großen Acht gefunden haben. Diese 17,56 km waren schon eher etwas für eine Tagestour und haben dazu noch einen großen Vennanteil zusätzlich zur o.g. Genusstour.

DSC06188Roger setzte uns am Naturparkzentrum Botrange ab. Das Thermometer zeigte 2 Grad! Wir wussten zwar, dass es nicht viel wärmer als 14 Grad werden sollte, aber 2..! Dann müssen wir eben flotter gehen. Der tolle Sonnenschein und der blaue Himmel machten jede Zitterpartie wett. Wir starteten im Uhrzeigersinn in die obere Schlaufe der Acht.

Von hier aus waren wir sofort mittendrin im Venn und ich stürzte mich gleich mit der Kamera auf den ersten Tümpel.
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Das Hohe Venn ist wie ein riesiger nasser Schwamm, dessen Wasser über die vielen Bäche in die Stauseen abfließt. Einige Passagen waren nach den vielen Regengüssen der Vergangenheit höchstens mit hohen Gummistiefeln begehbar. Aber wir fanden immer ein paar Ausweichmöglichkeiten.

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DSC06202Bald kamen wir zum Schnittpunkt der Acht, um jetzt gegen den Uhrzeigersinn in die Genusstour "Ein Wasserfall und ein Canyon" zu starten. Diese zweite Schlaufe ist durchgehend mit einem senkrechten, grünen Rechteck markiert. Am Bayehonbach entlang gelangten wir zum Naturdenkmal "Vieux Chêne" (Alte Eiche). Sie soll 500 Jahre alt sein.

Weiter ging es durch das Tirifaye Venn, das herrliche Ausblicke bot, aber auch arg nasse Passagen.
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Na Christa, sind wir noch richtig?


Im Winter werden im Venn viele Langlaufloipen in bestimmten Gebieten gespurt. Das Ergebnis der letzten schneereichen Saison kann man noch überall erkennen. Das pyritreiche Wasser hat einen rostigen Schimmer.
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Über diesen Steg verließen wir das feuchte Venn und die Landschaft veränderte sich.

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Nachdem wir die Straße nach Longfaye überquert hatten, ging es auf einem breiten Forstweg entlang des Pouhonbachs weiter. Auffällig waren jetzt die Felsformationen.

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Allmählich wurde das Tal immer enger und kam der Bezeichnung Canyon näher. Soll es hier wirklich weitergehen?

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Von nun an wurde der Bachlauf öfters überquert.

Dafür gab es oft zwei Möglichkeiten. Die waghalsige wie auf dem unteren linken Foto, oder die sichere, die wir wählten.







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Nachdem der Pouhon- in den Bayehonbach mündete, gelangten wir an diesem entlang zur Bayehon-Mühle, ehemals Getreidemühle, in der heute ein kleiner Gastronomiebetrieb hungrige Wandergäste oder Sonntagsausflügler bewirtet. Der in der Sonne liegenden Außenterrasse konnten wir nicht widerstehen. Inzwischen waren die Temperaturen natürlich gestiegen und wir genossen unsere Rast in der Sonne über dem Mühlenteich.  
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DSC06260Hinter der Mühle gelangten wir zum eigentlichen Startpunkt der Genusstour "ein Wasserfall und ein Canyon". Das bekannte Logo des Weges machte auf dem Parkplatz auf die Tour aufmerksam.

Genau an dieser Stelle beschlossen wir, den Track zu verlassen. Auf der anderen Bachseite lockte uns ein herrlicher Weg, von dem Christa meinte, dass sie diesen damals mit Roger zum Wasserfall gegangen sei.

Vielleicht ließen wir uns auch von der Sonne verleiten, die den Hang beschien, während der eigentliche Weg im Schatten lag. Auf jeden Fall schraubten wir uns in die Höhe.
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Als wir mitten im Dickicht standen war klar, diesen Weg ist sie mit Roger nicht gegangen. Aber irgendwie fanden wir dann doch nach einigen Querpassagen und einem steilen Abstieg wieder über den Bayehonbach zurück auf den rechten Weg. Den Höhepunkt der Tour hatten wir glücklicherweise nicht verpasst. Der Aufstieg zum Plateau des Wasserfalls war nochmal eine richtige Herausforderung und hatte alpinen Charakter.

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Und dann lag er unter uns, der höchstgelegene Wasserfall Belgiens.

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Dies ist das Beweisfoto, dass ich mich den halsbrecherischen Trampelpfad hinunter getraut habe. Ein idyllischer Ort, an dem man es lange aushalten kann.

Aber wir hatten ja noch einiges vor. Bergauf ging es weiter über einen Pfad voller Wurzeln und Felsbrocken, neben uns plätscherte der Bayehonbach.



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Der Bach wurde immer schmaler und der Pfad uriger. Für mich war dieser Abschnitt ein Traum. Wenn jetzt das Heidekraut noch geblüht hätte, wäre es gar nicht zum aushalten gewesen.

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Wir haben dem Track nicht immer folgen können. Zum Teil war er unpassierbar, eine Vennpassage sogar gesperrt, aber es gab immer Ausweichmöglichkeiten. Eine breite Schneise führte über einen Plankenweg durch das Neûr Lowé, wie das Venn hier heißt, direkt auf Signal de Botrange zu, dem höchsten Punkt von Belgien.  

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Jetzt wäre es nicht mehr weit bis zum Naturparkzentrum gewesen, aber der Gipfel lockte und wir baten Roger, uns dort wieder einzusammeln.

Und dann standen wir auf dem Dach von Belgien. Der Baltia-Hügel  markiert den höchsten Punkt des Landes. Dieser wurde künstlich aufgeschüttet, um die natürliche Höhe des Signal de Botrange von 694 m auf runde 700 m zu erhöhen. Er liegt hinter einem Aussichtsturm mit Sendemast eines Radiosenders.

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So sehen Gipfelstürmer aus. Mal ganz ehrlich, es muss nicht gleich das Matterhorn sein. Wir hatten Spaß und einen wunderschönen Wandertag mit tollen Eindrücken genossen. Es gab strahlenden Sonnenschein, blauen Himmel, eine tolle Gegend, den höchstgelegenen Wasserfall und den höchsten Gipfel. Wanderherz, was willst du mehr. 

Auf der anderen Straßenseite gab es noch einen Aussichtspunkt mit Blick über das wallonische Venn bis nach Deutschland. Der Blick macht auf jeden Fall Lust auf mehr Venn.

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© Familie Sudowe