2015-01-20
Nein, das war nicht meine erste Wanderung in diesem Jahr. Es war nur die erste, zu der ich mich aufraffen konnte, einen Bericht zu schreiben. Ja, ja, die geruhsamen Tage über Weihnachten und den Jahreswechsel haben mich doch ein wenig faul werden lassen. Jetzt ist aber Schluss mit dem Winterschlaf, schließlich will ich mich ja auch in späteren Jahren noch an meine schönen Erlebnisse erinnern können.
Diese Wanderung sollte eine recht kurze werden, weil hinterher noch ein ausgiebiger Museumsbesuch mit Freunden geplant war. Heute wollte ich mit Jordy dafür eine Vortour unternehmen, um die Gegend zu erkunden. Als Startpunkt wählte ich den Parkplatz der Papiermühle Alte Dombach in Bergisch Gladbach.
Im LVR-Industriemuseums erfährt man alles über Papierherstellung und Papierverwendung früher und heute.
Angetrieben wurde die Mühle früher von der Strunde, die als der fleißigster Bach Deutschlands galt. Auf einer Länge von 20 km hat sie immerhin zeitweise bis zu 50 Mühlen angetrieben und Bergisch Gladbach dadurch zu industriellem Wohlstand verholfen. Zu ihrem Quellgebiet in Herrenstrunden machte ich mich mit Jordy also auf.
Unser Weg führte direkt am Bach entlang durch einen Auenwald. Der Pflanzenteppich soll sich im frühen Frühjahr, bevor sich das Blätterdach den Bäume schließt, in ein Blütenmeer verwandeln. Dies und noch viel mehr ist auf den Schildern am Ufer nachzulesen, denn dieser Weg ist gleichzeitig auch ein Lyrikpfad.
Ein natürliches Bachbett sieht zwar anders aus, dafür wurde das Wasser zu oft für industrielle Zwecke umgeleitet, aber auch diese Spuren zu erkennen, hat seinen Reiz.
Schon bald erreichten wir die Igeler Mühle. Früher als Getreidemühle und zum Betrieb von Kalköfen genutzt, ist sie heute ein koreanisches Meditations- und Kulturzentrum.
Die nächste Mühle ließ nicht lange auf sich warten, oder zumindest die Überreste einer Pulvermühle, die "Staubmühlchen" genannt wurde.
Sie war eine von vier Pulvermühlen vom Gut Schiff, auf das wir uns zubewegten.
Wir kamen jetzt aus dem Wald heraus und näherten uns auf einem Fußgängerweg entlang der Straße dem Anwesen.
War Gut Schiff früher ein bedeutender Pulvermühlenstandort, wird es heute in sechster Generation als landwirtschaftlicher Betrieb mit Hofladen und vielen Erlebnisveranstaltungen geführt. Schon von weitem haben mich die im wahrsten Sinne des Wortes freilaufenden Hühner beeindruckt, die hingebungsvoll direkt neben der stark befahrenen Kürtener Straße nach Leckereien pickten.
Glücklicherweise wurde ich nicht Zeuge eines Verkehrsunfalls. Es waren aber auch ganz besonders hübsche Hennen. Die männlichen Gegenstücke hielten sich aber doch lieber in sicherer Entfernung auf.
Jetzt führte unser Weg von der Straße weg um das "Alte Freibad" in Herrenstrunden herum. Fotos habe ich nicht geschossen, hier wurde nämlich fleißig umgebaut. Das frühere Freibad nennt es sich heute Altes Freibad Strunde Island. Schwimmen kann man hier nicht mehr, es gibt aber andere Möglichkeiten sich zu treffen, zu relaxen oder sportlich zu betätigen und vor allem zu feiern.
Schon kam die nächste Attraktion in Sicht, die ehemalige Wasserburg Burg Zweiffel.
Nachdem wir die Burg von allen Seiten begutachtet hatten, zwar keine Wale, aber dafür ein Trauerschwanenpaar beobachtet hatten, standen wir auch schon vor der nächsten Mühle. Da hatte die Strunde aber früher wirklich viel zu tun.
Die Maltesermühle war früher Kornmühle und stellte erst 1944 den Mühlbetrieb ein. 1961 wurde das Mühlengebäude umfassend renoviert. Es sieht wirklich sehr schmuck aus. Einen Steinwurf entfernt der nächste tolle Anblick.
Die Malteser Komturei ist das Hauptgebäude eines ehemaligen wasserburgähnlichen Ordenssitzes. Nach vielen anderen Nutzungszwecken dient es heute als Hotel-Restaurant mit Reithalle.
Kaum zu glauben, dass wir erst 2,5 km weit gelaufen sind. Was haben wir auf dem kurzen Stück schon alles bewundert. Und wir waren immer noch nicht an der Quelle - aber fast.
Gegenüber der Komturei lockte mich die katholische Pfarrkirche St. Johann Baptist auf die andere Straßenseite.
Jetzt ging es aber endlich zur Quelle, oder besser gesagt zu einer der Quellen. Eine Einfassung aus Natursteinen markiert den Geburtsort. Jordy beobachtete fasziniert, wie an mehreren Stellen kleine Sauerstoffbläschen an die Oberfläche drängen.
Ausführliche Informationen über die Quelle und die Bedeutung der Strunde findet man an der Besucherinformation am Pumpenhaus.
Wir gingen jetzt ein Stück des Weges zurück, vorbei an Kirche, Malteser Komturei und Malteser-Mühle und drehten der Strunde jetzt den Rücken zu. Wir nahmen einen knackigen Aufstieg durchs Herrenstrundener Wohngebiet Richtung Romaneyer Höhen. Übrigens der einzige nennenswerte Anstieg des Tages.
Bei diesem Blick zurück hatten wir es fast geschafft.
Über einen Wiesenweg erreichten wir Großbüchel und kurz darauf Combüchen.
Hier oben waren keine Mühlen zu erwarten. Der Weg führte jetzt schnurstracks über befestigte Wege in den Wald.
Von nun an ging es nur noch bergab und auf direktem Weg in Serpentinen zu unserem Ausgangspunkt zurück.
Bald befanden wir uns im Außengelände des LVR Museums. Die letzte Mühle für heute. Hier treibt die Strunde noch ein nachgebautes Mühlrad an. Ich hatte heute 7 km Freilichtmuseum. Eine kurze Tour mit ganz vielen tollen Eindrücken. Der Museumsbesuch kommt später.
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