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28.12.2017 bis 01.01.2018


Kurz entschlossen haben Hans und ich uns im Dezember für eine Busfahrt nach Prag angemeldet. Wir kannten die Stadt noch nicht und hatten einen Besuch immer wieder verschoben. Die vielen bis zum Jahresende noch geöffneten Weihnachtsmärkte und eine große Silvesterfeier in Kombination mit drei kompletten Tagen in Prag und Umgebung fanden wir sehr verlockend - und wir haben es nicht bereut. Die Busfahrt war zwar zugegebenermaßen lang, aber wir hatten ausreichenden Lesestoff dabei und haben auf der Hinfahrt von der Reiseleiterin schon viel über das Land, die Geschichte und die Stadt erfahren.

Am 29.12. brachte uns der Bus schon ganz früh hinauf auf den Berg Hradschin, wo wir als erstes die Prager Burg besichtigen wollten. Auf dem Fußweg dorthin kamen wir an vielen schönen alten Gebäuden vorbei.
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Die Prager Burg ist nicht ein einzelnes Gebäude,
sondern das größte geschlossene Burgareal der Welt. Hinein kommt man nur nach aufwändiger Personen- und Taschenkontrolle. Daher war es gut, dass wir früh da waren und unsere kostbare Zeit nicht mit Schlangestehen vergeuden mussten.



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Der Veitsdom, dessen Türme man hier im Hintergrund sieht, ist das größte Kirchengebäude in Tschechien.
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Auf dem Burghof gab es einen eigenen kleinen Weihnachtsmarkt. Als wir später die Burganlage durch die Weinberge verließen, hatten wir einen schönen Blick auf die Stadt und die lange Schlange der Wartenden, die in die Anlage wollten.

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Jetzt ging es Richtung Moldau. Hier gab es auch viel zu betrachten. Hans steht hier vor der Hochwassermarke von 2002.
Der Künstler David Cerný hat es mir persönlich besonders angetan. Ich habe kurz vorher Zuhause im Fernsehen einen interessanten Bericht über diesen tschechischen Bildhauer gesehen, der überall in der Stadt mit seinen provokanten Skulpturen Aufsehen erregt. Hier pinkeln zwei Männer auf die Umrisse von Tschechien.
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Weiter ging es zur Karlsbrücke. Diese berühmte Steinbrücke verbindet die Kleinseite, auf der wir uns noch befanden, mit der Altstadt. Hier gab es neben den vielen Touristen steinerne Skulpturen, blankgescheuerte Glücksbringer und Straßenmusikanten zu erleben.




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Auf der Altstadtseite angekommen gab es noch diesen schönen Blick zurück auf Karlsbrücke, Moldau und Prager Burg.


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DSC05561In der Nähe des Rudolfinum (Prager Philharmonie) machten wir eine längere Pause. Bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt war jetzt der Zeitpunkt gekommen, wo wir uns nach einem warmen Plätzchen sehnten. Das hatte sich unsere Reiseführerin gedacht und vorsorglich ein Ausflugsboot gemietet, auf dem wir uns nicht nur äußerlich, sondern auch von innen bei einem Begrüßungsbecherovka und einem böhmischen Büffet aufwärmen und Aussicht genießen konnten.
Inzwischen war die Sonne herausgekommen und mich hielt es nicht mehr im Warmen. Die Aussicht vom Deck wollte ich nicht verpassen.

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Frisch gestärkt ging es dann durch die weihnachtlich geschmückte Altstadt zum Altstädter Ring. Bei den vielen Prachtbauten wußte ich nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte. Die größte Touristenattraktion ist wohl die astronomische Uhr am Rathaus.

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Es wurde bereits dunkel, als wir an der Moldau in unseren wartenden Bus stiegen, um zum Abendessen in unser Hotel Don Giovanni zurück zu fahren.

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In der Lobby wurden wir vom überbelichteten Mozart und Klavierklängen empfangen und machten uns fertig zum Abendessen.

Was für ein toller Tag!






Für den 30.12. stand ein Ausflug nach Kutná Hora (Kuttenberg) auf dem Programm, dessen Altstadt zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt. Ich muss zugeben, dass ich von diesem Ort noch nie gehört hatte und total überrascht wurde, was er zu bieten hat. Kuttenberg ist nach Prag diejenige böhmische Stadt, mit den meisten historischen Baudenkmälern. Sie wurde historische Stadt des Jahres 1999. Die Geschichte der Stadt, die etwa 70 km östlich von Prag liegt, ist eng mit dem Silberbergbau verknüpft, der im Jahre 1237 durch Bergleute aus Sachsen begann. Hier wurde der in ganz Europa als Zahlungsmittel anerkannte "Böhmische Groschen" geprägt. Mit dem hierdurch erlangten Reichtum lassen sich die für diesen kleinen Ort gewaltigen Bauten erklären, z. B. das Zisterzienserkloster...

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...aber vor allem der pittoreske St. Barbara-Dom, der der Patronin der Bergleute gewidmet ist.

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DSC05629Das war wirklich ein überwältigendes Erlebnis.

Statt Heiligenfiguren an den Säulen findet man hier Motive, die auf den Bergbau und die Münzprägung hinweisen, wie z. B. diesen Bergmann.

Auch der Blick vom Vorplatz auf die kleine Stadt mit den großen Gebäuden war beeindruckend...
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DSC05638...aber auch der Blick zurück auf den Dom und das ehemalige Jesuitenkolleg auf dem Weinberg lohnte sich.

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Eine Besonderheit, die wohl kein anderer Ort auf der Welt zu bieten hat, ist das Beinhaus, das unterhalb einer Friedhofskapelle eingerichtet wurde. Knochen von 40.000 Toten wurden hier zu Pyramiden aufgetürmt, zu einem Kronleuchter oder Wappen modelliert. Im 13. Jahrhundert wurde Erde aus dem Heiligen Grab in Jerusalem auf dem Friedhof verteilt und führte später zu einem Begräbnistourismus. Aber auch Pestepedemien und Kriege sorgten dafür, dass der Friedhof überfüllt wurde. Aus Platzmangel kamen die Knochen ins Beinhaus und wurden zur Dekoration verwendet. Makaber, oder? Aber auf jeden Fall sehenswert.

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DSC05640Als wir am späten Nachmittag nach Prag zurückfuhren, hatte es leider angefangen, leicht zu regnen. Das hielt uns aber nicht davon ab, noch einen Abstecher zum Wenzelsplatz zu machen. Dieser Platz ist eigentlich ein großer Boulevard mit vielen Geschäften und Restaurants und heute eher eine Feiermeile, auf der es auch zum Jahreswechsel morgen hoch her gehen wird. Im Mittelalter wurde hier der Pferdemarkt abgehalten, später wurde er ein bedeutender politischer Versammlungs- und Demonstrationsort. Benannt wurde er nach dem hl. Wenzel und hier stehen wir vor seinem Denkmal.

Unser Bummel führte uns über den Weihnachtsmarkt und durch Passagen, wo wir auf den hl. Wenzel trafen, der auf dem Bauch seines kopfüber von der Decke hängenden toten Gauls sitzt. David Cerný war am Werk gewesen.

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Von diesem berühmten und geschichtsträchtigen Platz ging es weiter durch die Neustadt mit seinen vielen Weihnachtsmärkten zum Altstädter Ring. Hier waren wir zwar gestern schon gewesen, aber heute war unsere einzige Gelegenheit, den leuchtenden Weihnachtsbaum vor der Teynkirche im Dunkeln zu sehen. Wie in diesem kleinen Video zu sehen, blinkt und leuchtet der große Weihnachtsmarkt einmal pro Stunde zu klassischer Musik.

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DSC05683Bei einem Heißgetränk genossen wir die Lichtershow und diese besondere Atmosphäre.

Danach hatten wir für dieses Jahr genug Weihnachtsmärkte gesehen und wollten jetzt endlich die Prager Metro kennenlernen, um ins Hotel zu gelangen. Unsere Reiseleiterin hatte uns zuvor schon so gut informiert, dass die Orientierung kein Problem war. Der Abgang in den Untergrund führte in rasanter Geschwindigkeit über extrem lange Rolltreppen. Wie schaffen das die Alten und Behinderten?

IMG 20171231 102428Am 31.12.  waren im Hotel schon viele Helferlein damit beschäftigt, alles für einen glanzvollen Silvesterabend vorzubereiten. Wie schön, dass wir uns um nichts kümmern mussten und bis zum Abend noch einen ganzen Tag in Prag zur freien Verfügung hatten.

Wir kauften uns ein 24-Stunden-Ticket für 110 Kronen (ca. 4 €) und machten uns per Metro auf den Weg zur U-Bahnstation Národní třída. Ich wollte mir wenigstens noch eine Skulptur von David Cerný abschauen.

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Und da stand sie vor dem Einkaufszentrum Quadrio: "Metalmorphosis". Eine 39 Tonnen schwere,  in mehreren Schichten bewegliche Metallbüste von Franz Kafka.  collage11
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Am Einkaufscenter fuhr auch die Straßenbahnlinie 22 vorbei. Von ihr wusste ich, dass sie in vielen Reiseführern empfohlen wird, weil sie mitten durchs historische Prag fährt. Das haben wir mit unserem Ticket gründlich ausgenutzt. Da die Bahn in kurzen Abständen fährt, konnten wir ein- und aussteigen, wie wir wollten. Und das haben wir bei strahlendem Sonnenschein ausgenutzt.



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Am späten Nachmittag ging es zurück ins Hotel. Nach ein wenig Augenpflege genossen wir ein wirklich tolles Silvesterbüffet. Danach feierten wir mit Musik und Tanz ins Jahr 2018 hinein.

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Es gab vom Hotel auch noch ein Erinnerungsfoto vor historischer Leinwand. Wir werden diese Fahrt in guter Erinnerung behalten und können uns auch für den kommenden Jahreswechsel eine Silvesterstädtereise vorstellen.

Doch bis dahin...