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2014-04-14

Tag drei meines Aufenthaltes bei Christa und Roger in Ostbelgien. Auf diesen Tag hatte ich mich seit langem besonders gefreut. Dieser Termin war sorgfältig gewählt worden, es war die Zeit der Narzissenblüte. Die wilden Narzissen haben mich seit meiner Kindheit in den Bann gezogen. Damals befand sich mein Schullandheim in Hollerath (Kreis Schleiden) und die Ausflüge zu den Narzissenwiesen gehörten zu meinen einschneidensten Erinnerungen an diese Zeit. Ich sehe mich noch heute als Zwölfjährige mit einem Bein in Deutschland und dem anderen in Belgien stehen, während irgend ein kleiner Bach die Grenze bildete. Rings um uns herum blühten die wilden Narzissen.

Welch glückliche Fügung, dass meine wiedergefundenen Freunde gerade in dieser tollen Gegend wohnen. Inzwischen sind die Narzissenwiesen ja zu einer richtigen Touristenattraktion avanciert und am Wochenende sind richtige Völkerscharen unterwegs. Um diesen Massenauftrieb zu umgehen, haben wir uns den Montag für dieses Vorhaben vorgenommen. Doch ein Blick von Roger auf den Regenradar verhieß nichts Gutes. Gewitter und Regen bis mittags wurden angekündigt. Mit anderen Worten, richtiges Aprilwetter. Keine guten Voraussetzungen für unseren Ausflug zu den Narzissen.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Mussten die Narzissen eben bis mittags warten. In der Zwischenzeit machten Christa und ich einen Spaziergang durch Raeren, den Wohnort meiner belgischen Freunde. 

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DSC01567Dies ist ein Blick über die Wiesen und Weiden von Raeren Richtung Narzissenwiesen. Es sieht so aus, als könnte man dem Regenradar glauben. Der Himmel verhieß wirklich nichts Gutes.

In Raeren war es immerhin noch trocken.

Der kleine Grenzort Raeren bei Aachen ist eine von neun Gemeinden der deutschsprachigen Gemeinschaft
Belgiens.


Als erstes statteten wir der Sankt-Nikolaus-Kirche einen Besuch ab.

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Der Ort ist durch sein Steinzeug bekannt geworden, das vor allem im 16. und  17. Jahrhundert hier hergestellt wurde. In der Burg Raeren ist das sehenswerte Töpfereimuseum untergebracht.

DSC01657Christa steht hier an der Stelle, an der früher die Fuhrwerke in das Bachbett des Periolbachs eingefahren sind, um ihre Güter bequemer befördern zu können.

Über Wiesen und Bäche, vorbei an  vielen Blausteingebäuden, die das Raerener Landschaftsbild prägen, führte unser Weg über markante Wiesenpfade mit den ortstypischen Hecken zurück zur Kirche und zu unserem eigentlichen Plänen für den heutigen Tag.

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Hecken gab es auf der Fahrt zum Naturschutzgebiet Perlenbach- und Fuhrtsbachtal, unserem eigentlichen Ziel für diesen Tag, reichlich. Sie sind typisch für diese Gegend und stehen unter Naturschutz. Momentan waren die Buchenhecken noch braun vom trockenen Laub des Vorjahres.

Wir starteten unsere Narzissenrunde vom Parkplatz des Guts Heistert in der Nähe der Ortschaft Kalterherberg. Eine große Infotafel bereitete uns auf den Weg vor.

Nach einem kurzen Verbindungsweg durch den Wald hinab ins Tal waren wir dann endlich am Perlenbach. Noch sahen wir nur von weitem kleine gelbe Punkte am Bachufer.

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Und dann waren wir mittendrin.

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Die Wildnarzisse wächst im Perlenbach- und Fuhrtsbachtal in einem ca. 100 m breiten Streifen entlang der Bachläufe. Früher haben die Bauern die Wiesen für die Heugewinnung genutzt und sie durch Gräben mit Bachwasser bewässert. Ideale Voraussetzungen für Feucht- und Sumpfwiesen mit Bärwurz und gelben Narzissen.



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Hier geht es nicht weiter. Warnschilder weisen uns auf die militärische Sperrzone hin. Aber da wollten wir sowieso nicht langgehen.

Narzissenwiesen gab es auch auf unserer Seite satt und genug.

Den Perlenbach hatten wir jetzt verlassen. Weiter ging es jetzt Richtung Nordost, bis wir auf den Fuhrtsbach stießen.


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Der blaue Himmel sah wirklich toll aus, aber der Schein trügt. Bei den häufigen plötzlichen Aprilwettereinlagen mit Regen und Graupel habe ich den Fotoapparat schnell in Sicherheit gebracht. Auch der Wind war recht eisig. Zum Glück waren diese Kapriolen aber immer so schnell wieder vorbei, wie sie gekommen waren.
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Hier fließen Perlenbach und Fuhrtsbach zusammen. Kurz nach dieser Stelle wählten wir für kurze Zeit einen Höhenweg, der uns zwar eine tolle Sicht in die Umgebung bot, aber die Narzissen waren nun mal in den Bachtälern zu finden und auf die hatten wir es ja heute abgesehen.





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Nachdem wir uns ausgiebig umgesehen hatten, wählten wir die "Abkürzung" wieder hinunter zum Perlenbach, und das hat sich wirklich gelohnt. An diesem Bachabschnitt konnten wir die Spuren der Biber erkennen, die sich hier als Holzfäller betätigt hatten.

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Jetzt war es nicht mehr weit bis zum Ausgangspunkt unserer Narzissenrunde. Wir hatten das Glück, dass wir den optimalen Zeitpunkt für diese Strecke gewählt hatten. Es gibt in der Umgebung eine Vielzahl von Narzissenrouten, es kommt aber sehr auf den idealen Zeitpunkt an. Während sie in einem Bachtal in voller Blüte stehen, können die Narzissen in einem anderen bereits verblüht sein. So hatten wir rundherum einen wunderschönen Tag. Sogar das Wetter hat uns im großen und ganzen nicht im Stich gelassen. GPS-Track

Nach diesem tollen Abschluss unserer Wandertage brachten mich Christa und Roger zum Zug nach Leverkusen.




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