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Diese Tour habe ich mit einer kleinen Gruppe meines Freizeitclubs unternommen. Die Initiatorin, Brigitte, wollte unbedingt mal Ende April in den Harz zum Blocksberg fahren, um ein wenig zu wandern, die Gegend kennen zu lernen und natürlich in der Walpurgisnacht die Hexen tanzen zu sehen. Sie hat gefragt, wer Lust hat, mitzukommen. Acht Mitstreiter hat sie gefunden und sogar zwei Männer waren darunter. Sportlich sehr unterschiedlich ambitioniert waren wir uns dennoch alle einig: da wollen wir dabei sein.

2013-04-27

Abfahrt mit drei Autos von Leverkusen nach Wernigerode. Brigitte hat in einem gemütlichen Hotel Garni für uns alle Quartier besorgt. IMG 0426Als auch die Letzten gegen Mittag eingetroffen waren, ging es sofort los in die nahe Innenstadt. Da wir einen festen Termin für unsere Stadtführung gebucht hatten, blieb uns nicht viel Zeit für`s Mittagessen. Dank des flexiblen und flotten Kellners im Kartoffelhaus konnten wir aber doch noch unsere erste gemeinsame Mahlzeit genießen. Aber dann wurde es Zeit. Da Petrus es an unserem ersten Tag überhaupt nicht gut mit uns meinte, mussten wir uns mit Schirmen bewaffnen. Die gefühlten Temperaturen waren kurz über dem Gefrierpunkt und ich dachte mit Wehmut an Handschuh, Mütze und Wollschal, die ich Zuhause schon für den nächsten Winter verstaut hatte. 1 1/2 Stunden zeigte uns unsere einheimische Stadtführerin zwar mit eiskalten Händen aber dennoch viel Begeisterung ihre Stadt, die nach Hermann Löns auch "Die Bunte Stadt am Harz" genannt wird.

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Diese beiden Kutschpferde in ihren Regenumhängen waren auch nicht vom Wetter und den fehlenden Fahrgästen angetan.  

Für einen ersten Eindruck dieses schönen Fachwerkstädtchens hatte es gereicht und ziemlich durchgefroren gingen wir zum Hotel zurück. Nachdem die nassen Schuhe gegen trockene gewechselt wurden, fuhren wir mit den Autos zum Baumkuchencafé, das wie ein riesiger Baumkuchen aussah.

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Wie nicht anders zu erwarten, war hier die Spezialität natürlich Baumkuchen und zwar in allen Variationen. Zu meinem Leidwesen gab es keinen Glühwein, obwohl die Karte versprach: "wenn es kalt ist und du frierst gibt es Glühwein". Auch meine als Beweis vorgezeigten Eisfinger halfen da nicht.

Aber mir wurde trotzdem warm. Die Russische Schokolade mit Rum war eine echte Alternative.

Abends kehrten wir dann noch für einen Absacker in der ältesten Gaststätte von Wernigerode ein, der ehemaligen Schmugglerkneipe "Eselskrug".

Danach fielen wir in unsere gemütlichen Betten und hofften auf besseres Wetter für die nächsten Tage.

 

 2013-04-28

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Für diesen Tag hatte Brigitte eine Wanderung durch das wildromantische Bodetal geplant. Zum Glück waren unsere Stoßgebete erfolgreich und es hatte aufgehört zu regnen. Vom Busbahnhof in Thale fuhren wir mit dem Bus nach Treseburg. Die Wanderung sollte von dort zurück nach Thale führen, wo unsere Autos warteten und unsere beiden nicht so lauffreudigen Teilnehmerinnen sich die Zeit bis zu unserer Rückkehr vertreiben wollten.

Der Weg fing erst recht gemäßigt an, man konnte fast meinen, wir wären in unserem heimischen Eifgental. Aber das änderte sich bald. Die Hänge wurden immer schroffer und der Bach toste unter uns. Bodetal wird das Tal der Warmen und Kalten Bode im Harz genannt. Im engeren Sinne wird unter Bodetal nur der zehn Kilometer lange, schluchtartige Talabschnitt der Bode zwischen Treseburg und Thale bezeichnet, und genau den wollten wir gehen. Die folgenden Bilder sprechen für sich: 

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Es war ein herrlicher Wanderweg. Es war geplant, dass wir kurz vor Thale zusammen mit den beiden Zurückgebliebenen mit der Gondelbahn zum Hexentanzplatz fahren sollten. Das kam aber für Brigitte nicht in Frage. Sie hat trotz Höhenangst zwar kein Problem beim Kraxeln, in eine Gondel würde sie aber niemals einsteigen. Also wollte sie alleine zum Hexentanzplatz klettern.

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Ist ja wohl selbstverständlich, dass wir das nicht zulassen konnten, hatten wir doch schließlich kurz zuvor noch das knöcherne Gerippe eines Rehs gefunden, dass wahrscheinlich von den steilen Hängen abgerutscht war. Und schließlich war Brigitte doch unsere Anführerin, auf die konnten wir nicht verzichten.

Rechts oben auf dem Foto sieht man das Restaurant auf dem Berg, in dem wir später unseren Kaffee zu uns nehmen wollten, und zwar alle gemeinsam.

Also machten wir uns zu Dritt an den steilen Aufstieg.

 

 

Später war ich richtig froh über diese Extratour, sie eröffnete uns ganz tolle Ein- und Ausblicke.

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Oben am Hexentanzplatz angekommen, trafen wir mit dem Rest unserer Gruppe zusammen. Der Hexentanzplatz ist angeblich auch ein altsächsischer Kultort, an dem in der Nacht zum 1. Mai zur Verehrung der sogenannten Hagedisen (Wald- und Berggöttinnen) Feste abgehalten wurden.

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An diesem Nachmittag aber tanzten keine Hexen und auch der Teufel ruhte sich aus. Wir stärkten uns vor unserer Abfahrt mit der Gondel mit Würstchen, Bier und obendrauf noch Kaffee und Kuchen.

Während Brigitte per Anhalter nach Thale zurückfuhr, benutzten wir die Seilbahn.

Es war ein tolles Erlebnis, zumal wir durch den gläsernen Boden ins Tal sehen konnten.

 

 

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In Thale angekommen, fuhren wir mit den Autos noch nach Quedlinburg. Die historischen Altstadt mit ihren kopfsteingepflasterten Straßen, verwinkelten Gassen und kleinen Plätzen steht auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes und wir wollten zumindest bei einem kleinen Spaziergang einen Eindruck erhalten.

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Weltkulturerbe hin und her, Wernigerode hat uns eindeutig besser gefallen. Darum sind wir auch bald zurückgefahren. Im Hofbräuhaus, dem einzigen Lokal, in dem wir noch einen freien Tisch für uns alle fanden, ließen wir den Abend ausklingen. 

 

2013-04-29

  

Für diesen Tag war die Fahrt auf den Brocken geplant. In Wernigerode bestiegen wir die historische Brockenbahn, eine überwiegend touristisch genutzte Schmalspurbahn, die uns mit viel Dampf und Geratter schnaufend in vielen Windungen bis zum Bahnhof auf dem Brocken bringen sollte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Diese Teilnehmer einer Hundewandergruppe in unserem Abteil wollten auch unbedingt mal auf den Brocken.

Sie konnten allerdings nicht die Aussicht bewundern, die wir Zweibeiner hatten, vor allem wenn wir uns außerhalb der Waggons auf die zugigen Plattformen stellten.

   

Besonders gesund sah der Wald hier eigentlich nicht aus.

  

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Nach gut 1 1/2 Stunden Fahrt kamen wir oben an und wurden von einem kalten, schneidenden Wind empfangen. Überall waren auch noch Schneereste zu sehen. Dick vermummt und zugeknöpft machten wir uns daran, den Gipfel des Blockbergs, wie der Brocken ja auch genannt wird, zu erkunden.

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Drei von uns beschlossen aufgrund der Wetterlage doch lieber Zuflucht innerhalb der warmen Gebäude zu suchen und hinterher wieder mit der Bahn zurück zu fahren, wir anderen zogen es vor, uns doch lieber den Wind um die Nase wehen zu lassen und den Berg hinunter bis nach Schierke zu laufen. Dort wollten wir dann mit den anderen wieder zusammentreffen. Doch das war gar nicht so einfach. Obwohl wir mehrere Navis dabei hatten, fanden wir nicht so recht den Einstieg in den Wanderweg, sondern liefen auf geteerten Straßen. Schade, aber zwischendurch hatten wir doch immer schöne Abschnitte.

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Unten in Schierke angekommen, trafen wir wieder mit den anderen zusammen. Der Bus, der uns nach Wernigerode zurückbringen sollte, fuhr uns vor der Nase weg. Gute Gelegenheit zum kaffeetrinken bis zum nächsten Bus.

Für den Abend hatten wir vorgesorgt und einen Tisch im Hexenkessel reserviert, wo wir den Abend gemütlich ausklingen ließen.

 

2013-04-30

Unser letzter Tag in Wernigerode war angebrochen. Da das Hexenspektakel erst gegen Mittag vor dem Rathaus beginnen sollte, machten wir vormittags einen Bummel durch den Miniaturpark "Kleiner Harz". Hier ließen wir uns ausgiebig Zeit, die uns nun schon so gut bekannten Sehenswürdigkeiten noch einmal aus allen Blickwinkeln betrachten zu können.

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Aber dann wollten wir Hexen sehen. Auf dem Marktplatz war viel los. Es war Markttag, die Sonne schien und so fielen wir als erstes in die Eisdiele ein um abzuwarten, was passiert. Kurz darauf kamen aus allen Gassen schreckliche Ungeheuer und mischten sich unters Volk. Sogar Kinderfänger waren auf der Suche nach Frischfleisch.

 
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Wie bei uns im Rheinland die Möhnen an Altweiberfastnacht das Rathaus stürmen, um das Regiment zu übernehmen, so taten dies hier die Düsselhexen, eine bunte Gruppe, die aus ganz Deutschland kommt, um hier gemeinsam die Walpurgisnacht zu feiern.

Da wir noch vor hatten, das Wernigeroder Schloß zu besichtigen und den mittelalterlichen Markt, der im Schloßhof auf Besucher wartete, trennten wir uns von den bunten Schreckgespenstern und suchten eine Fahrgelegenheit hinauf zum Schloß.

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Diese junge Dame lud uns sehr freundlich ein und wir nutzten die Gelegenheit. Eine bessere Wahl konnten wir gar nicht treffen. Sie machte noch eine kleine Stadtrundfahrt mit uns und wir erfuhren nicht nur viel über Wernigerode und Gespannführerscheine, sondern lernten auch noch den tiefenentspannten faulen Roland (links im Bild) und den braven Jakob näher kennen.

Oben im Schloßhof angekommen, wurden wir sofort von Hexen und Gauklern empfangen, die scharf auf unsere Silberlinge waren.

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Selbstverständlich haben wir auch noch das wunderschöne Schloß besichtigt, das wie aus einem Märchenbuch weit sichtbar über der Stadt auf dem Berg thront.

Viele Stunden später sind wir mit dem gelben Shuttlebus wieder in den Ort zurückgefahren.

  

Um 19 Uhr hatten wir einen Tisch im Ratskeller bestellt. Bei unserer gemeinsamen letzte Mahlzeit bedankten wir uns bei Brigitte für die Planung und Organisation der Fahrt. Danach sollte eigentlich der Höhepunkt der Walpurgisnacht auf dem Nikolaiplatz stattfinden. Doch von diesem Höhepunkt waren wir dann doch enttäuscht. Es gab zwar jede Menge Getränke- und Eßbuden, auch eine Band spielte auf, aber unter der Walpurgisnacht hatten wir uns doch was anderes vorgestellt. Da es sehr kalt auf dem Platz war und außer Musik kein anderes Programm zu kommen schien, gingen wir doch lange vor Mitternacht zurück zum Hotel. Wahrscheinlich hatten wir für die Abschlußfeier doch den falschen Ort gewählt. Brigitte war dann auch sehr enttäuscht, wollte sie doch eigentlich Hexen tanzen sehen. Jetzt muss sie doch noch mal wiederkommen.

2013-05-01

Nachdem wir uns bei den freundlichen Wirtsleuten bedankt und natürlich einen Gästebucheintrag hinterlassen hatten, ging es nach dem Frühstück wieder in die Autos. Für die Rückfahrt hat sich Brigitte noch einen Abstecher zum Kyffhäuser-Denkmal ausgedacht. Na ja, lag eigentlich nicht direkt auf dem Weg, hat sich aber dennoch gelohnt. Als wir ankamen, erwartete Brigitte abermals eine Enttäuschung. Das 115 Jahre alte Denkmal war wegen umfangreicher Erhaltungsmaßnahmen eingerüstet.

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Wir mussten zwar den kompletten Eintrittspreis bezahlen, zum Trost können wir das Denkmal dann aber im nächsten Jahr in vollem Glanz kostenlos besuchen. Vorausgesetzt natürlich, wir heben die Eintrittskarten auf.

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal und der in Stein gehauene Barbarossa waren aber gut zu sehen und natürlich waren einige von uns auch ganz oben, um die Rundumsicht zu genießen.

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Der tiefste Burgbrunnen der Welt mit 176 Metern war ebenfalls einen Blick hinab wert.

Aber irgendwann mussten wir uns dann doch loseisen. Bei einer kleinen Mittagseinkehr auf dem Gelände stärkten wir uns für die Heimreise und waren voller neuer Eindrücke und schöner Erinnerungen.

Wer weiß, vielleicht sieht uns der Harz ja bald mal wieder.

   
© Familie Sudowe