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2017-09-10


Einen Monat nach der 9. Etappe bin ich wieder mit dem Zug an die Sieg gefahren, um mich an die Etappe 10 zu wagen. Mit ihren 25 km um das nördliche Wissen herum ist sie die längste Etappe des Natursteigs und daher eine echte Herausforderung. Eigentlich wollte ich mir ja den 5 km langen Zuweg hinauf zum Hauptweg ersparen. Das zumindest hatte ich mir beim Abwärtsgehen bei der Etappe 9 fest vorgenommen. Von Zuhause aus habe ich telefonisch versucht, eine Busverbindung oder Anrufsammeltaxi ausfindig zu machen, aber Fehlanzeige. Einzige Möglichkeit war eine Taxifahrt für 17 € für die 7 km lange Wegstrecke. Zum einen bin ich dafür zu geizig, zum anderen hätte ich es dann doch zu peinlich gefunden, mich mit dem Taxi zum Hauptwanderweg bringen zu lassen, wenn es einen eigens dafür markierten Verbindungsweg gibt. Schließlich möchte ich alle Etappen von Bahnhof zu Bahnhof erwandern. Eine Taxifahrt ohne Not wäre ein Fleck auf meiner Natursteig-Sieg-Vita gewesen, die ich mir sicher nicht verziehen hätte.

Für diesen Sonntag war eine Regenpause angekündigt. Früh am Morgen war ich bereits am Wissener Bahnhof angekommen und ließ mich durch die gelben Zuwegmarkierungen schnell durch die Straßen bis zur Siegpromenade leiten. Hier ging es bald über den Fluß, der wegen der vielen Regenfälle eine braune Brühe mit sich führte und sich nicht von seiner malerischsten Seite zeigte.

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Am anderen Ufer ging es eine ganz Weile durch die parkähnliche Auenlandschaft weiter, bis es hinter dem Schützenhaus und Schwimmbad auf einem Serpentinenweg steil bergauf ging.

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In Streitholz angekommen, war eigentlich das Schlimmste schon geschafft. Dort oben am Waldrand verläuft der Hauptweg. Bis dahin gibt es einen nur allmählich ansteigenden befestigten Weg. 10 Minuten später war ich bereits an der Bank, von der aus ich mit Erika die letzte Aussicht auf der Etappe 9 genossen habe.

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Ja, und dann hatte ich ihn schon erreicht, den Hauptweg. Und davor wollte ich mich drücken? Also, alles richtig gemacht. Noch schnell ein Blick in die Etappe 9...

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...und dann ging es entgegengesetzt weiter. Was jetzt folgte, war ein etwas unspektakulärer grader Forstweg. Zwischendurch gab es ein paar Farbklekse durch die noch blühende Besenheide.

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Abwechslung boten auch Durchblicke ins Holpebachtal.

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Am Erlebnisbauernhof Hagdorn gab es den ersten Halt mit Besichtigung. Mitten im Grünen gelegen, zwischen Bergischen Land, Westerwald und Sauerland lohnt sich ein Besuch. Von der Terrasse der Gastronomie hat man einen Blick ins Tal und den Wildpark, im Stall nebenan können die Tiere besucht werden.

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Von hier aus ging der Weg allmählich auf einem befestigtem Wirtschaftsweg abwärts, um aber bald auf einen Wiesenweg abzubiegen.

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Über ihn gelangte ich in den Wald und hinunter ins Tal des Wisser Baches.

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Der Weg führte außen am Rand einer Weide mit freilaufenden Kühen entlang.

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Nach Unterquerung der L 278 und Überquerung des Baches ging es hinauf über einen wunderschönen Wiesenweg. Hier wurde ich von einem Radfahrer überholt, der auch auf dieser Etappe unterwegs war. Er sollte übrigens auf dem ganzen langen Wanderweg der einzige Mensch bleiben, auf den ich außerhalb der Ortschaften getroffen bin, und das an einem Sonntag.  

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Der Weg blieb schön, führte später wieder durch Wald und natürlich auch bergab.

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Muss ich erwähnen, dass es auch wieder bergauf ging? Das war der Blick beim Austritt aus dem Wald.

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DSC04236Ich genoss diesen Weg in vollen Zügen. Die Anstiege waren moderat und die Abwechslung von Wald- und Wiesenwegen mit tollen Aussichten ganz nach meinem Geschmack. Zufällig entdeckte ich etwas versteckt und abseits vom Weg diese Traumliege als Stempelstelle. Oben links an der Bank ist eine Edelstahlmatritze angebracht. Mit einem Bleistift kann man die Markierung in seinen Stempelpass pausen und hat dann einen Nachweis für die erwanderten Kilometer.



Stempelstellen gab es bisher auf allen Etappen. Auf die wurde aber immer mit auffälligen Bergfest-Stelen hingewiesen. Wie ich später erfahren habe, ist das aber auf der Natursteigverlängerung ab Au nicht mehr vorgesehen. Mein persönliches Bergfest feierte ich kurz vor Birken-Honigsessen. Auf dem Wegweiser konnte ich erkennen, dass ich 12 km gewandert war und noch 13 km vor mir hatte.

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Ein guter Zeitpunkt, um sich nach einem schönen Rastplatz umzusehen. Der war zufällig auch schnell erreicht. Von dieser Bank mit Windschutz hatte ich diesen Blick ins Tal.


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Nachdem ich mein Brötchen nebst Weintrauben verspeist hatte, ging es durch den Ort mit dem sperrigen Namen Birken-Honigsessen und seiner kath. Pfarrkirche St. Elisabeth, die als erste Zeltdachkirche Deutschlands gilt. Leider konnte ich sie nur von außen bewundern.

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In bekannter Weise ging es weiter bergab ins ruhige Tal des Wipperbachs mit tollen Aussichten...

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und hinauf nach Nochen mit Kunst am Weg.

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Hier hatte ich Probleme mit der Wegmarkierung, die normalerweise gut sichtbar ist. Ich musste mein Navi zur Hilfe nehmen, um den Einstieg in diesen zugewachsenen Pfad zu finden. Einmal gefunden, entwickelte sich der Pfad zu einem abenteuerlichen Abwärtskommando. Ich muss zugeben, dass ich es stellenweise auf allen Vieren absolviert habe. Aber schön war es doch.



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Von hier ging es nach Mühlental. Zur ehemaligen Mühle mit Gastronomie ist der Wiesenweg leider gesperrt und so musste ich ein kurzes Stück über die Straße. Aber dahinter wurde es wieder beschaulich.

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Aber auch bizarr. Der Weg führt durch einen Felseinschnitt...

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...und weiter durchs Brölbachtal...

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bevor es dann ein letztes Mal hinauf auf den Kucksberg mit tollen Aussichten ging.

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Und dann wurde es noch einmal herrlich pfadig auf dem Weg hinab nach Wissen. Durch das noch dichte Laub konnte man die Sieg mehr ahnen als sehen. Ein ganz besonders schöner Wegabschnitt.

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Danach kam ich noch an einem Gedenkstein vorbei, der an ein dunkles Kapitel der Stadt Wissen erinnern soll und den Zwangsarbeitern gewidmet ist, die hier während des 2. Weltkrieges eingesetzt worden sind. Auch die Ruine des freigelegten Lagers kann besichtigt werden.


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Von hier aus war es nicht mehr weit bis zu der Stelle, an der ich den Hauptweg verlassen musste, um über den Zuweg zum Bahnhof zu gelangen. Von der Siegpromenade aus kann man durch die Bäume Schloß Schönstein erkennen.

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Auf dem Weg zum Bahnhof ist mir noch ein besonderes Café mit Namen "Der Garten" aufgefallen. Es war Kaffeezeit und in dem weitläufigen, verwinkelten und liebevoll dekorierten Garten ließen sich die Gäste die leckersten Torten schmecken. Sie sahen zumindest lecker aus, ich bin nur zum Gucken eingekehrt, mich zog es zum Bahnhof.

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Der war dann auch schnell erreicht. Mein Navi zeigte fast 27 km an. Als ich in meinen Körper hineinhorchte und fragte, wie es ihm nach der langen Tour so geht, bekam ich die Botschaft, alles ok, nichts tut weh aber er sei doch froh, dass er sich gleich in den Zugsitz fallen lassen kann und nicht hinter das Steuer eines Autos.






Das mit dem Fallenlassen dauerte allerdings noch etwas, weil ein Zug ausgefallen ist. Aber dann genoss ich die Fahrt durch die immer länger werdende Strecke, die ich oft hoch oben schon durchwandert bin. Der heutige Abschnitt gehört auf jeden Fall mit zu den schönsten Etappen.

   
© Familie Sudowe